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Kinderbücher und Geschlechterrollen

alsmama

Ich liebe Bücher – und ganz besonders Kinderbücher.
Von Pappbilderbüchern bis hin zu spannenden und dicken Jugendbüchern.
Als Künstlerin lasse ich mich natürlich besonders von schön gestalteten Büchern in den Bann ziehen und mit zauberhaften Illustrationen zuweilen auch über eher unspannende Inhalte hinweg bestechen.

Leider schaffen es wenige Kinderbücher mit ganz typischen Klischees zu brechen – in den meisten wird eine Rollenverteilung als selbstverstädlich gezeigt, die mit der Realität vieler Kinder nichts mehr zu tun hat: Mama, Papa, großer Bruder, kleine Schwester, hübsches Häuschen, Hund und Katze. Der Papa kommt abends von der Arbeit nach Hause, die Mama saugt Staub, der Bruder geht auf den Fußballplatz, die kleine Schwester spielt mit Puppen.
Es gibt eine Menge scheinbar schöner Kinderbücher, die in den Geschlechterrollenverteilungen noch viel weitergehen und meinen Kindern suggerieren wollen, wie ein echtes Mädchen, ein echter Junge, eine echte Mama und ein echter Papa zu sein haben.

Bei uns Zuhause läuft nichts nach Klischee – ohne ins Detail gehen zu wollen gibt es bei uns eine alleinverdienende, alleinerziehende Mama, einen komplett abwesenden Papa, eine sehr durchsetzungskräftige Tochter, die noch nie rosa und pink mochte, sondern jeden Tag vollkommen verschmutzt vom wilden Spielen aus der Schule kommt und Holzpflöcke schnitzt. Allerdings auch genau weiß, was „eine Dame“ in ihrer Tasche haben sollte: Neben Handspiegel und Kamm natürlich auch Klebestift und Taschenmesser.
Und ein Sohn, der sowohl sensibel und geräuschempfindlich ist, sich schlichtweg niemals rauft, sich eine Barbie kaufte (und wenig später als langweilg wieder aussortierte) als auch perfekter Computernerd ist (mehr Infos darf ich laut Kinder-Redaktion nicht weitergeben :-) ).

In den meisten Bücher erkennen meine Kinder sich nicht wieder – und besonders bei meiner Tochter beobachte ich ge- und entspannt, dass sie typische Mädchen-Klischee-Bücher langweilen.

Im Ringelmiez-Blog stoplerte ich heute über einen wirklich unschönen Fauxpas des Oetinger-Verlages – bei dem scheinbar ironisch mit Geschlechter-Klischees gespielt wird.
Sorry – aber die Ironie entgeht nicht nur mir, sondern auch meinen Kindern.
Die sind zwar noch nicht ganz im Alter der Zielgruppe – aber sagen eindeutig „Alter, das ist ja total unfair und eine Unverschämtheit!“.

Dass Kinderbücher sich ändern müssen, ist ganz offensichtlich.
Kinder müssen sich in ihrer Realität in ihnen wiederfinden können.
Ohne ihre Maßstäbe durch veraltete Rollenklischees verdrehen zu lassen.
Weg von Themenbüchern, die sich mit „speziellenProblemen“ wie Scheidung, Behinderung, Tod, Migrationshintergrund usw. gesondert auseinandersetzen – hin zu Büchern, in denen die Fülle des Lebens ganz natürlich stattfindet: alleinerziehende Papas, Karrieremamas, zwei Papas, „Patchwork“-Geschwisterbeziehungen, Schulkameradin mit Behinderung, Opa mit Alzheimer, Freund mit Migrationshintergrund, fußballspielende Schwester und puppenliebender Bruder…

Spannende Links zum Thema Kinderbücher und Gender:

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