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Basteln für Weihnachten mit Kindern: Die MATCHBOXPEOPLE mit Weihnachtszimmer

Für einen Workshop mit geflüchteten Kindern habe ich die MATCHBOXPEOPLE erfunden.

Mit ganz wenig Material konnten wir kleine Häuschen und Figuren ausmalen und basteln – mit denen eifrig gespielt wurde. Und nach dem Spiel konnten die Figuren im Streichholzhaus verschwinden und sicher aufbewahrt werden.

Das Set kann nach Lust und Laune bearbeitet und verändert werden.
Es gibt verschiedene Basis-Figuren: Mädchen, Jungen, schmalere, breitere, lange Haare, kurze Haare, Röcke Hosen, Kopftücher, Rollstühle – das waren die Wünsche der Kinder, mit denen ich die ersten Streichholzpuppenhäuser bastelte.
Die Gesichter warten darauf individuell gezeichnet zu werden, die Kleidung kann mit Mustern, Streifen und allem, was einem einfällt geschmückt werden. Jede Nationalität kann erstellt werden, man kann Kinder mit Down-Syndrom zeichnen, Brillenträger und noch so viel mehr.
Und wenn euch eine Basis-Figur fehlt, schreibt: suse (ät) revoluzZza.com.

Hier findet ihr die notwendigen Illustrationen zum Download, die ihr ganz einfach auf jeden Drucker ausdrucken könnt:

 

Materialien:
Ganz wichtig: große Streichholzschachteln ca. 11 x 6 x 2 cm, gibt es in Supermärkten, Drogerien – am günstigsten allerdings als 12-er Packung in Bastelläden oder im Internet zum Beispiel bei MyToys oder bei Ebay. Pro Kind 1 – 2.
Buntstifte, Anspitzer, Radiergummi, Bleistifte, Klebestifte, Kinderscheren (abgerundet)
(Ich empfehle Buntstifte zu verwenden, die sind flexibel und funktionieren auf allen Papieren gut. Filzstifte verlaufen manchmal – und trocknen auch schnell aus.)

Zeitaufwand:
2 entspannte Mal- und Bastel-Stunden

Kinderalter:
von 5 – 12
(5-Jährige werden Hilfe benötigen)

 

ES GEHT LOS: AUSMALEN
Es wird erstmal wild ausgemalt, nach Lust und Laune Gesichter gezaubert (dafür sind angespitzte Blei- und Buntstifte super – und Anspitzen ist gleich noch gut für die Motorik), in manchem noch so kleinen Kind erwacht jetzt ein großer Designer: Lila Hosen zu wild buntem Pulli, zarte klitzekleine Muster fürs Kopftuch, Haarspangen und Blumen ins Haar, Haare mit bunten Strähnchen.
Es gibt keinerlei Beschränkungen.

matchboxpeople

Das Haus muss innen und außen dringend noch renoviert und gemalert werden – alles bevor es ausgeschnitten und geklebt wird.
Leere Fenster sind da, um gefüllt zu werden: Vielleicht schaut da jemand aus dem Fenster? Oder es steht ein Radio, Bücher, Pflanzen oder irgendwelche Dekoration auf dem Fensterbrett?

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SCHNEIDEN UND KLEBEN
Erst nachdem alles ausgemalt ist, sollten die Kinder sich ans Ausschneiden machen
Viele Kinder haben motorische Probleme mit Scheren umzugehen, deshalb ist das eine prima Übung. Aber erklärt zur Sicherheit, worauf geachtet werden muss, wenn man mit Scheren umgeht – sonst geht schnell was ins Auge.
Die MATCHBOXPEOPLE werden ganz einfach entlang der gestrichelten Linien ausgeschnitten und dann an der durchgehenden Linie unter den Füße umgeknickt, damit man sie hinstellen kann.

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Die Haus-Außenseite wird ebenfalls ganz einfach ringsherum an den gestrichelten Linien ausgeschnitten und an den inneren gestrichelten Linien nach innen umgeknickt, damit man das Papier um die äußere Streichholzschachtel legen und festkleben kann.

Dabei sollte schön exakt gearbeitet werden, damit nachher nichts übersteht und einreißt.

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Jetzt wird das Haus gemütlich eingerichtet.

Die einfache Version geht ganz schnell: Die gekennzeichneten Ecken des Hausinneren abschneiden, das Papier an den gestreichelten Linien umknicken und dann in das kleine Pappkästchen des Streichholzschachtelinneren einkleben.

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Schon können jede Menge MATCHBOXPEOPLE einziehen!

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ABER: Es geht ja noch besser :-)

Denn mit ein bisschen mehr Fleiß, können die MATCHBOXPEOPLE sogar in eine Zweiraumwohnung einziehen.
Und das geht so:
Wie gehabt die Wohnung ausmalen und dann beide Wohnungsteile ausschneiden.
An den beschrifteten Bereichen die Ecken wegschneiden, an den anderen die Ecken nur EINSCHNEIDEN.
Denn diese Bereiche werden gleich aufeinandergeklebt und ergeben die Zwischendecke im Haus.

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Jetzt alle Teile an den innen angezeichneten gestrichelten Linien knicken, die EINGESCHNITTENEN Bereiche auch.

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Diese EINGESCHNITTENEN Bereiche werden jetzt HINTER die bemalten Wandteile geknickt und festgeklebt (Kleber auf der vorderen Blattseite auftragen und damit auf die hintere Blattseite der jeweiligen Wand kleben. Klingt kompliziert, ist aber ganz easy).

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Dann habt ihr zwei kleine Kästchen, die Ihr wiederum aufeinander klebt – und zwar an der Decke der Küche und am Boden des Schlafzimmers.

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Da ihr hier eben die eingeschnittenen Laschen hinter die Seitenwände klebtet, ist die Zwischendecke zusätzlich statisch verstärkt worden und kann schön bespielt werden.
Jetzt müsst ihr die beiden zusammengeklebten Kästchen nur noch in das Innere der Streichholzschachtel kleben – und fertig ist das Zweiraum-Haus für alle!

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Die kommerzielle Nutzung ist untersagt!

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Internationaler Frauentag

weltfrauentag

 

Ich finde es erbärmlich, traurig und unfassbar – dass es immer noch einen Frauentag geben muss.
Als kleines Kind war ich überzeugt davon, dass gerade wir Mädchen die Gabe haben, uns die Welt zu machen widdewidde wie sie uns gefällt.

Ein bisschen später – als ich ca. 14 oder 15 Jahre alt war – verbrachte ich meine Zeit gerne in Frauenbuchhandlungen und verschlang Simone de Beauvoir, Marilyn French („My goal in life is to change the entire social and economic structure of western civilization, to make it a feminist world.“), Shere Hite und Andrea Dworkin.  Und war der felsenfesten Überzeugung: Wenn ich erwachsen bin, wird es absolute Gleichberechtigung geben. Marily French verstarb ohne ihr Lebensziel erreicht zu haben – und wir Frauen kämpfen noch immer, diskutieren, sitzen in Gefängnissen und sterben. Nur weil wir Frauen sind.

Am Sonntag feierten wir Geburtstag.
Sieben zehnjährige Mädchen saßen bei Tee und Kuchenbergen zusammen und planten ihre Zukunft, vermuteten reihum, wer später welchen Beruf ergreifen würde.
Und dabei passierte rasend schnell, was ich im Laufe meines Lebens schon so häufig unter Frauen erlebte: Die eigene Entscheidung, die eigene Sichtweise bewirkte, dass die andere niedergemacht wurde. Die zukünftige professionelle Fussballspielerin sagte zur anderen: „Na, du heiratest irgendeinen Typen, bekommst viele Kinder und endest wie deine Mutter“. Und die nächste: „Und du wirst bestimmt nur Verkäuferin – bei deinen Zensuren!“ – und: „Wenn du nur Fußball spielst, will dich sicher kein Junge heiraten.“
Grabenkämpfe, die ich in meinen Erwachsenleben unter Frauen schon so häufig erlebte.

An diesem Frauentag heute wünsche ich mir wie so oft:  Dass wir Frauen endlich in Solidarität zusammenstehen und Hand in Hand das Unrecht bekämpfen, das uns nach wie vor klein hält.
Dazu gehört dann auch, unseren Kindern beizubringen, dass andere Lebensentwürfe keine Bedrohung für den eigenen sind. Sondern dass Vielfalt und Respekt uns alle glücklich werden lässt.

Ein Projekt – von vielen – dass mir Mut macht: #ausnahmslos.

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Frühlings-Wimpelkette (Free Tutorial)

Heute ist meterologischer Frühlingsanfang.
Ehrlich – ein bisschen mehr Mühe hätte der Lenz sich schon geben können. Aber was draußen nicht passiert, kann ja in der Wohnung nachgeholt werden.
Nach und nach beginne ich meinen Frühjahrsputz und notwendige Renovierungen. Die Küche müsste gestrichen werden (spätestens seitdem die Tochter übermütig eine Acrylfarbentube mit Druck öffnete und die Zimmerdecke mit blauen Flecken sprenkelte).

olle_wand

Aber im März wird dafür keine Zeit sein, drum alles abgehängt, Wand tiefenentstaubt, ein bisschen geschrubbt und hier und da ein bisschen Farbe aufgetupft. Und Altes und Neues aufgehängt. Dabei sind ganz viele Herzenssachen: Ein Druck von Ralf Hentrich, ein Laubsäge-Moritz, den mein Bruder mir machte, als ich ein kleines Kind war, Monster auf Pappe von der Tochter, ein Engel von einer anonymen lieben Kundin, eine Keramikeule von einer jungen Künsterin aus dem Spreewald, ein Mädchen aus Blumenblüten von einer alten Dame, die man manchmal auf Berliner Märkten stehen sieht, ein Lebkuchenherz, das mir meine Kinder vor Jahren von ihrem Taschengeld kauften, zauberhafte Keramiktiere von Rosa Hentrich, einen von der Tochter gebastelten Traumfänger – und vorallem meine neue Frühlings-Wimpelkette.

wimpel_fertig

Eigentlich hatte ich schon meine gesammelten RevoluzZza-Stoffe von stoffn aufs Bügelbrett gepackt, um sie zu plätten und dann ordentlich zuzuschneiden. Aber ein Blick auf die Uhr machte mir klar: Nicht genug Zeit!
Also einfach schöne Muster ausdrucken, schnell ausschnippeln, zusammenkleben und fertig.
Wer Lust hat, macht mit: Hier gibt’s die Wimpelkettenvorlage im PDF-Format zum Download.

Und so einfach gehts:
1. Vorlagen ausdrucken (farbig).

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2. Ausschneiden.

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3. Lasche umknicken und mit einem Klebestift bestreichen (keinen Flüssigkleber verwendet, der wellt das Papier unschön).

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4. Lasche aufkleben, schönes Band durch die Wimpel ziehen (ich habe einen  Gummibandeinzieher verwendet, um die gestreifte Schnur ganz leicht durch die Wimpel zu ziehen. Geht auch mit einer Häkelnnadel o.ä.) – FERTIG!

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Jetzt zackzack an die Wand – und es ist fast Frühling. Naja. Fast.

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Übrigens: Wenn Ihr die Wimpelkette quer durch den Raum hängen wollt, müsst ihr die Wimpel doppelt ausdrucken, die Laschen innen aufeinanderkleben und die Spitzen der Wimpel unten zusammenkleben. Damit die Wimpelkette von beiden Seiten schön aussieht.

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Meine kleine Welt im Schuhkarton

Es war schon länger geplant und es wurde auch schon eine Weile Zeugs gesammelt: Leere Klorollen, Flaschendeckel, Asia-Stäbchen, Tee-Kartons, leere Trinkpäckchen, kaputte Kugelschreiber und noch allerhand mehr. Und natürlich Schuhkartons – denn die sollen die Grundlage werden für unser selbstgebasteltes Puppenhaus.
Die Tochter legte dann einfach los:
Erstentwurf

Während ich mich ziemlich abmühte, nach dem Prinzip der Sorgenpüppchen einigermaßen ansehnliche, bieg- und bespielbare Puppenhauspuppen zu basteln.
Meine rothaarige Lisbeth hat auch schon einmal komplett den Kopf verloren und musste ihn noch einmal von Neuem festgewickelt bekommen – weshalb sie jetzt immer leicht verschämt nach unten schaut.

Nachdem die beiden Freundinnen Lisbeth und Charlotte zunächst in den Rohbau einzogen, wird jetzt jedes Zimmer nach und nach renoviert.
Begonnen haben wir mit der Küche.

kueche

Wie wir die Möbel herstellten, werden wir noch im Einzelnen zeigen.
Wenn ihr Lust habt auch mitzubasteln, könnt ihr hier schon mal die revoluzZzionäre Küchentapete und die Fliesen aus PDF-Druckversion herunterladen.
Je nachdem, wie groß euer Schukarton ist, müsst ihr oben oder unten etwas von den Drucken abschneiden. Dann klebt ihr die Tapete ganz einfach an die Rück- und Seitenwände des Zimmers – und die Fliesen auf den Boden.
Für den Tisch verwendeten wir den Metalldeckel eines Gurkenglases, für die Stühle Flaschendeckel und für die Tisch- und Stuhlbeine Plastikstrohhalme.
Die Lampe ist der Deckel eines leeren Klebestiftes.

Viel Spaß!

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„Kinderbücher dürfen nicht lügen“

Wie müssen Kinderbücher sein?
Die Tochter antwortet: „Man muss sie verstehen können, sie müssen Spaß machen und sie dürfen nicht lügen!“

So einfach ist das.

Allerdings gibt es ausgerechnet im Bereich der Bilderbücher gar nicht wenige, die eine Welt darstellen, die so nicht existiert. Und dabei geht es nicht um blinkende Sternenfee-Universen, sondern um pseudo-realistische Darstellungen von Bauernhof- und Landwirtschaftsszenen.
Praktisch jedes Bilderbuch, das vom Leben auf dem Land erzählt,  verschweigt schlichtweg wie moderne Tierhaltung tatsächlich stattfindet.
Und wer schon als Kind in seinem Lieblingsbilderbuch sah, wie Kälbchen glücklich in einer Herde auf der Weide stehen und an der Zitze der Kuh-Mama saugen – der glaubt auch später gerne, dass die grünen Wiesen auf den Milchpackungen vom tatsächlichen Leben der Milchkühe erzählen.

Kühe auf einer Wiese
Bild aus einem Kinderbuch oder von einer Milchpackung?

 

Und wem man von klein auf erzählte, dass Ferkelchen sich gemütlich im Heu an die Muttersau kuscheln und tagsüber durch Matschepampe hüpfen dürfen – dem schmeckt seine Wurst viel besser. Vorallem, wenn sie ein lustiges Gesicht hat.

schweinchen
Dieses wirklich schöne Buch von Gerda Muller stammt aus einer Zeit, als das beschriebene Schweineleben noch einigermaßen der Realität entsprach.

 

Es gibt einen sehr interessanten TED-Talk zum Thema Karnismus von Dr. Melanie Joy, Professorin für Psychologie und Soziologie an der  Universität von Massachusetts in Boston. Sie ist ebenfalls Autorin des sehr empfehlenswerten Buches Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen: Karnismus – eine Einführung.

Ich habe meine Kinder weder zum Veganismus noch zum Vegetarismus erzogen. Auch lege ich großen Wert darauf, dass sie ihre Freunde und Mitmenschen nicht nach deren Ernährungsverhalten beurteilen.
Aber ich möchte meine Kinder ernst nehmen in ihren Ideen, Bedürfnissen und Vorstellungen. Und so möchte ich ihnen die Möglichkeit geben, bewusste Entscheidung zu treffen.

Meine Kinder kennen nicht alle Fakten zum Thema Massentierhaltung. Und soweit ich es weiß, haben sie nie ein Video mit Bildern aus Mastställen und ähnlichem gesehen.
Aber sie wissen, dass „Nutztiere“ nicht artgerecht und frei leben.
Wenn ich meine Tochter frage, wie das Leben eines Schweines aussieht, dann sagt sie „Es lebt in einer großen Halle dicht an dicht mit anderen Schweinen und sieht wahrscheinlich nie die Sonne“.
Das ist zwar nicht die ganze Wahrheit – aber viel näher dran, als das, was wir Kindern üblicherweise durch Bilderbücher, Kinderfilme usw. suggerieren.

Meine Kinder kommen mit zum Einkaufen. Sie tun das nicht gerne – aber ich empfinde es als notwendiges Übel, damit sie zum einen aktiv miteintscheiden können, was wir essen – und zum anderen auch sehen, was Nahrungsmittel kosten und weshalb sie nicht verschwendet oder weggeschmissen werden sollten.
Letztens in einem Supermarkt brachten sie mir einen Eierkarton, auf dem stand, dass den Hühnern, die diese Eier gelegt hatten, NICHT die Schnäbel abgeschnitten worden waren.
Was bei ihnen natürlich entsprechende Fragen aufwarf.
Auf Eier hatten sie keinen Appetit mehr – auch wenn ich die Kükenschredderangelegenheit gar nicht erzählte.

Meine Kinder waren schon mal sauer auf mich, als sie das Gefühl hatten, ich hätte sie angelogen.
Die täglich radiohörende Tochter hatte einen Bericht über die Lebensbedingungen von Neuland-Tieren gehört und fand, ich hätte ihnen da etwas vorgemacht, da es diesen Tieren ja kaum besser ging als jenen aus Massentierhaltung.
Ich kann diese Reaktion gut verstehen und versuche ständig den Balance-Akt zu schaffen zwischen: Den Kindern keine Essensvorschriften zu machen (mal abgesehen von „Keine Chips und Schokolade zum Mittag“ ;-)), sie aufzuklären ohne ihnen den tatsächlichen Horror zu offenbaren und ihre Entscheidungen mitzutragen.

Buch-Cover

Ich freue mich sehr über Bücher wie dieses: Die Welt der Tiere: Sehen & Verstehen (Affiliate-Link).
Abgesehen von unzähligen spannenden und auch für mich neuen Infos rund ums Tierreich wird hier nichts beschönigt.
Im Gegenteil: Es werden einige Problemthemen – wie Klimaerwärmung und die Bedrohung des Regenwaldes – kindgerecht erklärt. Ohne bei den ernsten Themen ein beklemmendes Gefühl aufkommen zu lassen.
Stattdessen fühlt man sich die ganze Zeit wie ein Entdecker, dem allerhand Geheimnisse offenbart werden. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht genug über dieses fantastische und schön illustrierte Buch freuen!

weltdertierei

Die Tochter fand lediglich, dass es einige unnötig schwere Worte im Text gab bzw. entsprechende Erklärungen fehlten. Da muss ich ihr leider zustimmen.
Denn Begriffe wie u.a. „zentrales Nervensystem“, „Enzyme“ und „Rezeptoren“ hätten Achtjährigen wirklich in einem kurzem Satz erklärt werden können.
Trotzdem: Absolute Kauf-Empfehlung!

(Altersstufe: 8 – 12 Jahre)

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Kinder und der Tod

frida

 

Unser Jahr begann sehr traurig: Bei der liebsten Katze meiner Kinder wurde eine unheilbare und hoch aggressive Krankheit festgestellt.
Leider gab es nur drei Tage Verarbeitungs- und Abschiedzeit zwischen Diagnose und dem Moment, in dem wir das geliebte Tier gehen ließen.
Die kleine Frida hat das Leben meiner Kinder begleitet seitdem sie denken können.
Die Katze war immer da.
Sie saß auf dem Weg vorm Haus, wenn sie aus der Schule kamen und begrüßte jedes der Kinder schnurrend. Ihr wurden Freuden und Sorgen erzählt. Oft legte sich eines der Kinder nach einem anstrengenden Tag mit der kleinen Katze aufs Bett – zum Kuscheln und Entspannen.
Im Sommer spielten die Kinder auf der Wiese mit Frida und im Winter tapste sie Spuren in den Schnee – rings um die Schneemänner der Kinder.

Als Frida krank wurde und die Diagnose feststand, habe ich ehrlich und ernst mit den Kindern gesprochen. Über schmerzhafte Notwendigkeiten: Wie wichtig es ist, dass ein glückliches Leben auch einen würdevollen Abschluss findet.

Das Thema Tod traf meine Kinder leider schon viel zu oft: Der geliebte Opa, dessen geistigen und körperlichen Zerfall durch Alzheimer sie erlebten. Die wunderbare Großtante, die gleichermaßen lustige wie grausige Geschichten erzählen konnte wie keine andere und bei der es die besten Nudeln mit Tomatensoße und Würstchen gab. Und der Großonkel, der nach dem Tod der Großtante bat, dass wir ihn nicht vergessen und bald wieder zu ihm reisen sollten – der seiner geliebten Frau allerdings schneller folgte als wir ahnten.
Und das Katzenkind.
Manch‘ eine*r weiß ja, dass der Vater sich aus dem Leben der Kinder verabschiedete (auch ein kleiner Tod – aber hoffentlich nur ein temporärer) – und da brachten die Kinder es wirklich gut auf den Punkt: „Bei uns ist jedes Familienmitglied doppelt so wichtig!“ Und auch ein Tier ist ein Familienmitglied.

Was meine Kinder mich zum Thema Tod lehrten: Sei immer ehrlich! Beschönige nichts! Und beantworte auch Fragen, die Erwachsenen möglicherweise „pietätlos“ erscheinen könnten.
Und: Gib der Trauer Raum – das ist überhaupt das Allerwichtigste!
Ausgelebte Trauer kann ein bisschen Heilung mit sich bringen – nach und nach.
Selbst nach Jahren – wenn man schon meint, man hätte alles unter Dach und Fach abgearbeitet und verdaut – kann sie einen wieder überkommen: Die luftabschneidende und allumfassende Trauer.
Wenn enem ein Foto vom letzten gemeinsamen Urlaub in die Hände fällt. Oder das kleine Stofflamm, dass die Tochter von der Tante geschenkt bekam.  Oder einem ein Spruch über die Lippen fährt, den eigentlich der Vater immer sagte. Oder wenn man glaubt, das Katzenkind sitzt auf dem Fensterbrett – aber es ist nur ein Blumenstrauß.
Dann lasst euch und eure Kinder nicht von der Trauer fressen und schluckt sie nicht runter – sondern hinaus damit. Weinen, schreien, wütend aufs Schicksal sein – alles was hilft.
Und macht es nicht nur alleine mit euch aus. Es gibt immer jemanden, der in diesen dunklen Momenten bei euch sein kann – manchmal mehr als man vermutet.
Nur nichts runterschlucken und verstecken.
Das macht nur ein hartes, verbittertes Herz.

Und ich finde, dass Rituale etwas sehr Wichtiges und Hilfreiches sind.
Das können übliche Rituale zum Thema Tod sein – oder auch ausgedachte, ganz persönliche.
Meinem Vater haben die Kinder Bilder gemalt – und sie mit in den Sarg gelegt.
Unsere Katze wurde mit dem kleinen Büchlein Ente, Tod und Tulpe zusammen verbrannt. Wir finden, das ist eine tröstliche Geschichte und passte zu Frida.
Die Asche wollen wir ein bisschen auf dem Beet verstreuen, auf dem das Katzenkind am liebsten in der Sonne lag. Und ein bisschen Asche wollen wir mit einem Heliumluftballon (angeblich fliegt der 6 – 10 Stunden) zu den Wolken steigen lassen.
Den Rest wollen die Kinder mir dann später in den Sarg kippen :-)
Unsere Katze trank zum Schluß nur noch aus einer Kaffeetasse – das restliche Wasser nach dem Tod der Katze hat der Sohn in einer Flasche aufgehoben. Wir schauen schon die ganze Zeit nach einer Pflanze, die zu Frida passen könnte. Und die wird dann als erstes mit diesem Wasser gegossen. So bleibt etwas vom Katzenkind in der Pflanze.

Ich wünschte mir, wir könnten unseren Kindern helfen, die tröstlichsten Erklärungen und Antworten auf Fragen wie „Werden wir den Opa nie wieder sehen?“, „Ist Fridas Fröhlichkeit jetzt für immer verloren?“ und „Wo werden ich sein, wenn ich sterbe? Werde ich dort Angst haben?“ zu finden. Und zwar Antworten, die für sie funktionieren – selbst wenn sie alten Büchern und Religionen widersprechen sollten. Ich habe schon christliche, islamische wie atheistische Aussagen von Erwachsenen gehört, die Kinder sehr getroffen haben.
Mich selbst als Kind übrigens auch.
Das kann nicht Sinn von Ideologien und Religionen sein: Feine, aufgeweckte Kindergemüter in ihren unendlich weisen und kreativen Ideen zum Leben und Tod zu verschrecken und noch trauriger zu machen.
Also lasst das – und gebt lieber den Geschichten eurer Kinder eine Chance. Vielleicht trösten sie euch auch!

Ganz zum Schluss noch einen Lieblingsbuchtipp: Der Baum der Erinnerung.
Ein Bilderbuch über den Fuchs, der gestorben ist im Schnee – und über den alle Tiere des Waldes eine wunderschöne Erinnerungsgeschichte erzählen konnten. So dass schließlich ein zauberhafter Erinnerungsbaum wuchs und der Fuchs nie vergessen wurde.

(Die Buchtitel sind Affiliate-Links)